300CD

Angefangen hat der Gedanke, als Ich mal wieder einen Benziner (300CE) statt einem Diesel gekauft habe, obwohl Ich die Diesel doch viel besser leiden kann. Konkret freilich war der nicht. Paar Monate später hieß es: Turbodiesel, 300TDT, gekauft. Für kleines Geld. Auf der Rückfahrt hat’s überzeugt. Nach der Zieleinfahrt und näherer Inspektion war aber klar – das kostet sehr viel Geld, die Karosserie zu richten. Heck total kaputt, C-Säule auf beiden Seiten durch, Scheibenrahmen sowieso. Radläufe großflächig durch, Gurtaufnahmen durchgerostet, Kardanwellenlagerhalter fast ab, Schweller marode und so weiter… Kurzum: Technik top, Karosserie flopp. Bzw. schlimmer als zuerst gedacht.

Und so konkretisierte sich der Gedanke, ein Turbodiesel-Coupé der Baureihe W124 zu kreieren. Historisches Vorbild; der 300CD der Baureihe W123 (’76-’85) der nur in den USA angeboten wurde. Als fünfzylinder Sauger mit 88PS oder Turbodiesel mit 125PS aus 3.0l Hubraum. Das erste und für lange Zeit letzte Diesel-Coupé das bei MB gefertigt wurde. Erst 2002 gab es wieder einen Diesel-Motor in einem Coupé (CLK 270CDi, Baureihe 209).

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Im nachfolger W124 gab es dann einen fantastischen Reihensechszylinder Diesel mit ebenfalls 3.0l Hubraum. Als Sauger mit 110PS und Turbo mit 147PS. Und dieser Turbodiesel ist ein wahrlich herrlicher Motor. Schade, dass er seinen Weg in kein Coupé der Zeit fand. Zeit, das zu ändern.

Diesel, Sechszylinder und Coupé Karosserie – das wäre alles zusammen, was Ich möchte. Und so wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Und Deutschlands wohl einziges zugelassenes W124  Turbodiesel Coupé gebaut.

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Mittlerweile hatte sich sogar noch ein Ersatz-Block gefunden – gibt ja böse Zungen die behaupten, der Turbo sei nicht haltbar. Abwarten.

Es ist natürlich KEIN plug&play. Beim Turbo ist so ziemlich – alles anders. Angefangen von Motor über Kühlsystem zu Antriebsstrang von vorne bis hinten. Problem 1: der CE hat noch die frühe Ausführung der Hydraulikanlage für Niveauregulierung & ASD (Automatisches SperrDifferential) – die muss von der Beifahrer- auf die Fahrerseite verlegt werden, um dem Turbo-Luftfilter Platz zu machen, der durch den ‚Kiemen-Kotflügel‘ seine Luft schnorchelt.

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Nächster großer Unterschied: Getriebe (nur Automatik ab Werk verfügbar) stammt samt Kardanwelle aus der ‚großen‘ S-Klasse mit V8. Größere Gelenkflansche und fettere Gelenkscheiben. Zusätzlich ist das Coupé auch noch ca. 8,5cm kürzer wie die restlichen Karosserievarianten. Die Kardanwelle muss also zwangsläufig gekürzt und neu gewuchtet werden. Differentialübersetzung 2,65:1 gab es im W124 auch nur im Turbodiesel 250D Turbo und 300D/TD Turbo. Dazu kommt, dass das Turbo-Getriebe als Einziges, der langen Hinterachsübersetzung wegen, im 1. Gang anfährt. Alle anderen tun dies nur per Kick-Down aus dem Stand.

Dieses Problem wurde durch die Karl HOCH GmbH in Denzlingen gelöst. Die Welle wurde gekürzt, neu gewuchtet und frisch lackiert. Und zwar sehr schnell; Montag Nachmittag abgegeben, Donnerstag Mittag fertig.

Dann noch so Kleinigkeiten wie Elektrik, Wischwaschwassergedöns, elektronische Leerlaufsteuerung, Unterdrucksystem, Zündschloss (Motorabschaltung per Unterdruck), Kraftstoffsystem, Auspuff und bisschen Kram.

Karosseriearbeiten sind ebenfalls erforderlich; und zwar müssen Halter an der Karosserie angeschweißt werden für die externen Ölkühler. Motorölkühler ist immer extern beim Turbo, den externen Getriebeölkühler gab es nur in Verbindung mit Anhängerkupplung und Klimaanlage. Der CE hat beides – also kommt der Kühler auch rein. Zu allem Überfluss ist der auch noch mit einem temperaturgesteuerten E-Lüfter versehen – total gaga! Vorerst allerdings konventionelle Getriebeölkühlung über den Wasserkühler – diverse Teile des externen Kühlers fehlten leider.

Nun denn – auf geht’s!

Übernommen wurde der gesamte Antriebsstrang, Motor OM603 Turbo, Getriebe 722.357 und Differential 2,65:1. Der Spender war ein 1990er 300TDT, der glücklicherweise wie der Empfänger auch ein Differential mit ASD (Automatisches Sperr Differential) hatte. Ein solches zu finden wäre wohl unmöglich oder sehr teuer geworden – alternativ hätte auf das ASD verzichtet werden müssen. Aber gerade im Winter ist es eine gute Anfahrhilfe.

Der 3 Liter Dieselmotor hat zwar weniger Leistung wie der 3 Liter Benziner. Dafür hat er mehr Drehmoment – welches um einiges früher anliegt. Die Kombination Turbodiesel, Automatik mit weichem Wandler und langer Hinterachsübersetzung sorgt für ein völlig anderes Fahrgefühl – ein sehr angenhemes! Entspanntes. Man gleitet dahin und der Motor wird auf Soll-Drehzahl gebracht – den Rest erledigt der Wandler. ab 50km/h ist man im 4. Gang (bei ca. 1100U/min) und verlässt diesen nur wieder, wenn man deutlich unter 30km/h fällt. Noch bei 60km/h fällt der Motor in’s Standgas wenn man den Fuß lupft.

Es war sehr viel Arbeit – diese hat sich aber definitiv gelohnt! Entspannter kann man nicht Coupé fahren. Der 3 Liter Benziner reizte einen immer wieder, diesen zu drehen, zu rasen. Der Turbodiesel macht das genaue Gegenteil. Und hat trotzdem immer Reserven, um zügig überholen zu können.

Der Verbrauch? Darum ranken sich die wildesten Gerüchte… Spitzenwerte liegen um 9,5l auf 100km – auch 6,3l/100km sind möglich bei konstanter Autobahnfahrt mit gemäßigtem Tempo. Der Schnitt pendelte sich irgendwo um 7,0l/100km ein. auf Langstrecke gerne uach mal unter 6,5l/100km. Die Steuern sind erträglich, da die Euro2 Abgasnorm mit dem Katalysator übernommen werden konnte. Insgesamt kommt trotz verdoppelter Steuern (480€) eine Ersparnis heraus. Welche zwar nie Ziel des Umbaus gewesen und somit eher ein glücklicher „Beifang“ ist. Auch als 300er Benziner wurde der Wagen zum pendeln im Alltag genutzt.

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Das Fazit ist: ein starker Turbodiesel im Coupé ist eine geniale Kombination! Beides lädt ein zum gemütlichen „offen“ fahren – der bummelige, niemals angestrengte Turbodiesel passt dazu wie die Kirsche auf die Sahnetorte. Es hat sich definitiv gelohnt! Dass die Kosten auch noch gesunken sind, ist ein Bonus den man gerne mitnimmt.

6 Gedanken zu „300CD

  1. Ich bin begeistert!! 🙂 Ein super Umbau! Da fragt man sich wirklich, warum gab es sowas nicht schon ab Werk?! Ganz klar, weil die Zeit dafür noch nicht reif war, in Deutschland. Coupé und Diesel waren zwei getrennte Welten, die in den Köpfen der Käufer nie zusammen gekommen wären. Schön zu sehen, dass sich leidensfähige Schrauber solchen Projekten annehmen. 🙂

  2. Hallo,
    gab es keine Probleme mit der Eintragung?
    Würde gerne einen 200 D in ein Coupe verbauen,
    was muss ich dabei alles machen um ihn einzutragen.
    Mfg Frank

  3. Hallo der herr der den umbau machte ist er irgendwie ausfindig zu machen würde mich sehr freuen ich mache selbiges habe quasi fast alles dazu schon hier tel auch für WhatsApp 015201087083 würde mich sehr freuen

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