Champagner, die Zweite. Der Neuerwerb.

Angefangen hat es so, als Ich mich gestern in den Zug gesetzt habe, mit einem Paar Kurzzeitkennzeichen und flauem Gefühl im Magen:

Und mit der Aussicht vergingen die ersten 3 Stunden der Reise 

Ziel: Pirmasens, das in der Pfalz und nicht im Saarland liegt. Die Bimmelbahn von Landau bis Pirmasens könnte 3x so schnell am Ziel sein, würde sie nicht alle 2 Minuten an einem rudimentären Bahnhof halten…

Aber irgendwann kam zum dritten mal „dieser Zug endet hier“ aus den Lautsprechern. Am Ziel wartete dann auch schon mein Taxi (an der Stelle nochmals vielen Dank, Chris!) und verfrachtete mich – nach einer kleinen Stadtrundfahrt inklusive Vorführung der „typischen pirmasenser Bevölkerung“ zu meinem Ziel.

Ein 1988er W124, 300CE in der super seltenen Farbe ‚Champagner‘, Code 473. Innen Leder braun. Und ziemlich – naja, eben kein Ausstellungsstück sondern gebrauchter Gebrauchtwagen. Unfallschaden, Rost, Fehlende Teile, kaputte Servolenkung, Bremse schleift, Teile fehlen, Beulen, Kratzer, Schrammen, uralte Reifen – eigentlich was zum wegrennen. Die Stimme der Vernunft wurde erschlagen, statt dem Wunschpreis von 650€ wurden es 750€ (von ehemals 1200) + 1l Motoröl – das fehlte ebenfalls…

Also Schilder an den Wagen genagelt und abfahrt! Der Verkäufer geleitete mich noch zur nächsten Tankstelle, wir verabschiedeten uns und 20l frischer Sprit gluckerten in den Tank. Der goldene Lack schimmert in der tiefstehenden Abendsonne und Ich muss grinsen über meine Dämlichkeit und die Tatsache, soeben einen goldenen Mercedes erstanden zu haben, der mich auffressen wird…

Also ab auf die Bahn, nächste Station: Landau. Die B10 führt mich durch zahlreiche Kurven, ab 50km/h geht’s aber ohne Servolenkung. Noch vor der Auffahrt fahre Ich zum ersten mal leicht quer. Power hat der Wagen! Die Automatik schaltet butterweich von1 bis 4 – da könnte man sich fast mit einem hydraulischen Getriebe anfreunden.

Nochmal ein kurzer Stopp an der nächsten Tankstelle, Luft kontrollieren. Und wieder mit Vollgas und quitschenden Reifen auf die B10. Scheiße – Ich bin noch den 200TE gewohnt…

Dann der erste Tunnel. Der Motor ist warm. Ich lasse mich auf ca. 30km/h zurückfallen – und trete dann das Gaspedal voll durch, gegen den Widerstand des Kickdown-Schalters. Einen Bruchteil einer Sekunde passiert nichts – dann brüllt der Motor, die Nadel des Drehzahlmessers schießt auf 5000U/min und an meine Ohren dringt das heißere Röhren eines hochdrehenden Sechszylinders bei Vollast durch die offenen Seitenscheiben. Das Getriebe schaltet, der Drehzahlmesser schnellt zum weiten mal Richtung roten Bereich und der Tunnel ist erfüllt von wunderbarem Lärm! Ich bremse nochmal ab auf 40 – drücke wieder voll durch und nur Sekunden später stehen wieder 120 auf dem Tacho – und meine Mundwinkel beginnen gegen die Schwerkraft nach oben zu streben und Ich muss grinsen wie ein voll-debiler Idiot 😀

An dem Punkt weis Ich: es war totaler Quatsch, den 200TE gegen den 300CE zu tauschen – aber Ich habe trotzdem alles richtig gemacht!

Dann mit Wolfi getroffen und den Wagen zusammen nochmal gemustert, als Baustelle befunden und für machbar erklärt. Ich wollte ein Coupé aus der ersten Serie, noch besser aus dem ersten Baujahr, und Ich wollte ein Coupé das nicht schwarz ist und eines, das günstig ist. Da blieb nicht viel Asuwahl… Gefühlt 99% aller Coupés sind schwarz oder Dunkelgrau und mit furchtbaren Kontrastfarben auf den Verkleidungen (Blauschwarz Metallic mit silbernen Verkleidungen – *kotz!*).

Mein Coupé ist lackiert in Champagner, Farbcode 473. Dazu innen braunes Leder – Hammer hart! Die Liste der Sonderausstattungen ist lang, darunter viele teure Extras. Airbag, Sperrdifferential, Sitzheitzung, Niveauregulierung für die Hinterachse, Leder, usw. – der Wagen hat 1988 fast 85.000,- DM gekostet! Zum Vergleich: 1988 bekam man für 18.000,- DM einen Golf mit Extras! Also fast fünf Golf – oder dieses Coupé.

Das W124 Coupé wurde im März 1987 vorgestellt, meines ist von Januar 1988 – ist also noch aus dem ersten Baujahr. Die Farbe verschwand Mitte 1988 aus dem Programm. Ein Coupé in 473 Champagner dürfte es nicht oft gegeben haben.

Es ist eine große Baustelle, vieles funktioniert nicht, es hat nachgerüstete Fensterheber (elektrisch) und braucht viel Arbeit und Geld um wieder ganz fit zu sein – Ich bin dennoch zufrieden. Denn noch kann Ich mir einen Sechszylinder leisten. Und aus genau diesem Grund habe Ich jetzt meinen Ersten gekauft. Und dazu noch in einer schön geschnittenen Verpackung.

 

Ein Gedanke zu „Champagner, die Zweite. Der Neuerwerb.

  1. Pingback: Mal eben die Pumpe wechseln… | jan wulf

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